Warum ein WIKI auf PolitNet.ch oder
Weshalb braucht es eine
alternative Öffentlichkeit?
Greenpeace war die erste Protestbewegung die erkannte, wie bedeutsam rasche
Informationsflüsse für die Mobilisierung sind. Schon seit ihren Bestehen
bediente sie sich moderner Netzkommunikationsmittel um ihre punktuellen,
höchst spektakulären Aktionen zu organisieren. Wenn im Hamburger Hafen ein
Giftkahn zur Entsorgung im offenen Meer auslief, war eine Gruppe zur Stelle und
sorgte mit einer spektakulären Aktion für Öffentlichkeit.
Wohlgemerkt:
damals gab es weder das Internet, noch das WWW, welches erst in den 90er-Jahren
entstand. Was damals technisch kompliziert und teuer, ja fast unerschwinglich war,
konnte nur verwenden, welcher genug Kohle hatte. Das waren multinationale Konzerne,
einzelne Staaten und vor allem die Militärs.
Es ist ja auch nicht verwunderlich, dass das Internet unter dem Namen
ARPA-Net mit militärischen Geldern aus dem US-Amerikanischen
Department Of Defense (DoD) finanziert wurde.
Gefragt war eine Kommunikationsstruktur,
die derart vernetzt und dezentralisiert aufgebaut war,
dass sie einen punktuellen Atomschlag überleben könnte.
Die relevanten Internetprotokolle (TCP/IP) entstanden vorerst aus diesem
netzarchitektonischen Ansatz. Kleine Informationspakete suchen sich den besten
Weg durchs Netz. Ist eine Leitung oder ein Server nicht erreichbar, so
findet sich in der dezentralen Netzstruktur ein anderer Weg.
Das Internet wird zivil...
Als das ARPA-Net von den Universitäten übernommen wurde (1983) zerfiel ARPANET in zwei
Netze, dem militärischen (MILNET) und einem zivilen, welches auf TCP/IP und Unix
umgestellt wurde und die "regionalen" Netze USENET, BITNET sowie das europäische EUNET anband.
Es entstand das ARPA-Internet und der Hauptbackbone ist NSFnet (National Science Foundation) mit nur 5 Supercomputer-Zentren und Telefonleitungen.
Doch erst Tim Berners-Lee, der Physiker aus dem CERN entwickelte 1989/90 das WWW, das World Wide Web mit seiner Lingua Franca "HTML", welche jeder vernetzte Computer auch tatsächlich versteht. Damit war der Weg frei für die unglaublich rasante Verbreitung des Internet und seine grafischen Fähigkeiten.
Die Globalisierungsbewegung entdeckt das Internet
Man kann sagen, dass es ohne Internet keine Globalisierungsbewegung in der Art gäbe,
wie sie heute existiert.
Logischerweise ist nicht das Internet die Ursache,
sondern die menschenfeindliche WTO- und Weltbankpolitik. Konsequent wurde das
Internet zum Transportmittel der Ideen, Gruppen, Grüppchen, Institute und Menschen eingesetzt.
Weltweite Information und Kommunikation wurden durch die Internettechnologie derartig vereinfacht, verbilligt und beschleunigt, dass der Informationsvorsprung der wirtschaftlichen Herrschaften dieser Welt wie Schnee in der Sonne dahinschmolz. Das Mail der Globalisierungsgegner ist genau gleich schnell wie das des Nestlé-Chefs. Im Gegensatz jedoch zu letzterem, ist die Struktur der kritischen Globalisierungsbewegung der Kommunikationsstruktur des Internet vollkommen angepasst. Dezentral organisiert, zentral wenn nötig via Internet. Die Aktion indischer Bauersfrauen gegen die Enteignung des eigenen Saatgutes durch gentechnisch veränderte Arten, der Kampf kolumbianischer Umweltschützer gegen die Stauprojekt-Verschandelung der Landschaft. Organisierte Bürgerproteste gegen die Unterzeichnung von WTO-Abkommen im Interesse des multinationalen Kapitals - dies alles ist letztlich nur durch die neue Kulturtechnik "Internet" möglich. Weder Nestlé, noch die UBS bräuchten das Internet um zu kommunizieren. Die armen Protestbewegungen haben keine anderen Mittel zur Verfügung, sich zu artikulieren und an die Informationen zu kommen, die für den Protest notwendig sind.
Es wird hier natürlich nicht Illusion gehuldigt, dass die neue Kulturtechnik überall verfügbar sei und wenn
sie es auch wäre, die Lösung aller Fragen wäre. Solange im ganzen
afrikanischen Kontinent immer noch weniger Telefon-Festnetzanschlüsse bestehen,
als in der Stadt New York, wäre ein solcher Gedanke völlig hirnrissig.
Es ist jedoch interessant zu beobachten, dass eine einzige Internetstation
in einem indischen Dorf eine eminente Wirkung entfalten kann.
Würde die Swisscom mit demselben Eifer afrikanische Schulen via Satellit
ans Internet anbinden, wie sie es verdankenswerterweise in der Schweiz tut,
wären die Wirkungen wesentlich nachhaltiger als hier.
Lehrmittel gibt es in der Schweiz zuhauf. In Entwicklungsländern gibt es keine -ausser
eben möglicherweise auf dem Internet.
Was ist eigentlich mit MILNET geschehen
Dazu gibt es nur vorläufige Aussagen. MILNET ist ein geheimer Teil des Internet,
der in erster Linie dazu dient, kampfwirksam eingesetzt zu werden.
Schon im Golfkrieg,
dann aber während des Afghanistankriegs (der immer noch andauert), besonders aber
jetzt im Irakkrieg, ist MILNET (oder wie immer es heute heisst) das Rückgrat
der amerikanischen Militärs.
Es versorgt die amerikanischen Generäle mit Informationen
über die Kampfeinsätze ihrer Truppen im Kampfgebiet. Kampffahrzeuge sind heute mit den
notwendigen MILNET-Technologien ausgerüstet. Satellitenpositionierung (metergenau)
erlauben die Ortung von eigenen und gegenerischen Kampftruppen. Die Internetverbindung
mit der Kommandozentrale sorgt für die genaue Einsatzposition der Kampfflugzeuge,
die ihre Raketen in Stockwerke, Plätze , Häuser und bewegliche Objekte wie Fahrzeuge
positionieren können. Der "Humer" enthält einen Bildschirm, auf dem das relevante
Kampfgebiet metergenau und zeitkritisch abgebildet wird. Die Fahrzeuginsassen erkennen
die Bewegungen der eigenen und gegenerischen Truppenteile in realtime.
Die Objekte bewegen sich dabei wie bei einem Computerspiel auf dem Bildschirm und
können genau positioniert werden, was den Einsatz von Bomben aller Art ermöglicht.
MILNET ist die umfassendste Technologie der modernen Kriegführung geworden.
Sie erlaubt dem kriegführenden Land zu behaupten, nur jeweils die "Schuldigen" zu
treffen, eine Ideolgie des "Final-Act" gegenüber der kritischen Öffentlichkeit,
die fragt, was die Vernichtung von unschuldigen Menschen in fremden Land denn
eigentlich soll und zu welchem Zweck das ganze veranstaltet wird.
Das System hat eigentlich nie versagt. Die Bomben fielen auf gezielt auf Häuser,
und die Raketen drangen in Stockwerke ein - und trafen die falschen Menschen.
Die Information der Informanten stimmte nicht. Der vernetzte Krieg ist das
Codewort, den vor allem die Bushregierung unter Donald Rumsfeld mit
Budgetmilliarden fördert. Jederzeit, an jedem Ort eine Rakete oder Bombe plazieren zu
können, die metergenau ein Haus, ein Auto oder eine Menschenansammlung trifft,
haben die Amerikaner beispielsweise in Jemen bewiesen, wo angebliche Quaida-Mitglieder
gezielt im Autokonvoi vernichtet wurden.
Was sich die Besatzer im Irak jedoch nicht
haben vorstellen können ist der einfache Sachverhalt, dass sie unerwünscht sind.
Nicht feststellbar war auch, dass sich Saddams Armee in nichts aufgelöst hat und
dennoch vorhanden ist.
Hält das grosse Wort Kulturtechnologie sein Versprechen?
Ob das Internet auf dieselbe Stufe wie Lesen und Schreiben zu stellen ist, bleibt
vorläufig dahingestellt. Geht man jedoch davon aus, dass Information und
Kommunikation "strategische" Ressourcen sind, deren Nutzung Einzelnen und/oder
Gruppen entscheidende Vorteile gegenüber andern verschaffen können, so ist das Internet,
besonders aber das WWW Kandidat Nummer 1. (Auch die Mobiltelephonie könnte zu diesen
Kandidaten gehören, ist aber einfach - im Vergleich zum Internet viel zu teuer.
Ein
weiterer Pluspunkt der Webtechnologie ist die Einfachheit und standardisierte
Allgemeingültigkeit der Sprache, welche in der Mobilfunktechnologie kaum so vorhanden ist.
Gerade als Basistechnologie, auf die sich weitere, dadurch sehr kostengünstig verfügbare
Kommunikationstechnologien aufbauen (VoiceOverIP), macht das WEB so stark.
Und seine Entwicklung steht erst ganz am Anfang.
Immer häufiger nämlich, wird der eigene Schreibtisch voll ins Web verlagert.
Von überall auf der Welt, wo ein Anschluss vorhanden ist, kann darauf zugegriffen werden.
Immer mehr Programmierer produzieren lieber fürs Webinterface, als für proprietäre
Betriebssysteme wie Microsoft. Lesen Sie dazu den Artikel von Joel Spolski,
einem renommierten (ehemaligen Microsoft-)Programmierer. Deutsch zusammengefasst auf
Mattedesign.
Das Internet emanzipiert sich vom klassischen Computer, jenem viereckigen grauen
Gebilde auf oder unter dem Schreibtisch. Immer mehr Geräte werden "internetfähig".
(Handys, PDAs, bald auch Uhren, TVs, vielleicht sogar Radios, welche einem
den Fahrplan nach Anweisung vorlesen können). So gesehen kann man in gewisser
Weise schon von einer neuen Kulturtechnologie sprechen, deren Beherrschung dazu führt,
dass man nicht nur das gesamte Wissen dieser Welt, sondern auch seine kommunikativen
Möglichkeiten immer mit sich herumträgt und überall verwenden kann.
Eine Technologie der immer grösseren Kluft zwischen Arm und Reich
Jede Kulturtechnologie, die sich weltweit durchsetzen konnte, begann in Hochkulturen.
Lesen und schreiben konnten die Babylonier, die Phönizer, Chinesen schon weit vor den
Europäern. Das Kriterium ist jedoch die Verbreitung.
Erst die stillschweigend
vorausgesetzte Beherrschung einer Technologie macht sie zum Gefäss der
allgemeinen Kommunikation. Darum ist das Leben heute für EuropäerInnen,
die nicht schreiben und lesen können so hart. Weniger schlimm ist es, wenn man nicht
autofahren kann, oder den TV nicht anschalten kann...
Sicher ist jedoch, dass die Benutzung des Internet weitgehend intakte technische
Infrastrukturen erfordert (Breitbandnetze, Festnetzanschlüsse, Satellitenverbindungen,
Elektrizität, Mobilfunknetze), welche in weiten Teilen der Welt kaum oder nicht vorhanden sind. Und hier haben wir, da das Internet das "globale Netz" schlechthin ist, ein massives Entwicklungsgefälle. Dass Schlimme daran ist, dass diejenigen, die eigentlich auch ohne das Web über genügend Informations- und Kommunikationskanäle verfügen, zusätzlich in den Genuss der am weitest fortgeschrittenen Internettechnologie kommen. Der einzige Lichtblick ist vielleicht noch darin zu sehen, dass das Web multiple Zugangsmöglichkeiten erlaubt. Via Satellit, liesse sich ein Teil der fehlenden Basaisinfrastrukturen in schlecht ausgerüsteten Gegenden wettmachen. Denkbar ist auch eine Ausrüstungsstrategie, welche punktuell und dezentral in öffentlich zugänglichen Räumen eingerichtet wird (wie etwa im ländlichen Indien realisiert).
Das WWW kann/könnte in schlecht entwickelten Gebieten eine gesamte
Bildungsinfrastruktur ersetzen. Genau hier liegt sein einmaliger Vorteil,
seine Unique-Selling-Position. Weder das Fernsehen, welches kaum Bildungsinhalte
transportieren kann, weil es der Unterhaltung (und einer extremen kommerziellen
Fremdbestimmung unterliegt), noch die Mobiltelefonie, welche eher gelangweilten,
sackgeldstarken Jugendlichen zur Privatkommunikation dient, kann dem kommunikative
Medium Internet Paroli bieten.
Wir Europäer, Amerikaner, Städter etc. brauchen das
Internet bis heute nicht als Bildungsinfrastruktur, obwohl gerade im höhern
schulischen Bereich internetgestützte "Fernangebote" immer häufiger anzutreffen sind und
unsere als zu voll beklagten Hörsääle längst unter Einsatz äusserst weniger
Mittel mit Videokameras ausgerüstet werden könnten, welche die Vorlesung der
ProfessorInnen zeitunabhängig abrufbar halten könnten.
Es ist auch ein totaler Irrtum
zu glauben, via Internet liessen sich keine Gruppendiskussionen (Seminare) oder
kein intensiver kommunikativer Austausch zwischen einzelnen Personen
realisieren. Ich selbst habe diverse Online-Kurse an amerikanischen Universitäten
absolviert, welche für wenig Geld ein Mass an persönlicher Lernbetreuung geboten haben,
die an unsern "mündlichen" Universitäten ihresgleichen suchen.
Gerade der multimediale, interaktive Charakter des Internet erlaubt die
wiederholte Darstellung äusserst komplexer Lerninhalte durch die
immensen grafischen Möglichkeiten moderner Webtechnologien wie Flash oder JAVA, SVG etc.
Viedeokonferenzen übers Internet sind spielend leicht zu installieren.
Schon das einfache Telefonietool Skype erlaubt die sofortige Gratisinstallation von
Telefonkonferenzen.
Wenn die Manager multinationaler Unternehmungen nicht so Kerosin-, First-Class-geil und time-lag-süchtig wären, könnten nicht nur Umweltschäden vermieden, sondern dem Umternehmen vor allem Kosten erspart werden.
Das Internet als Faktor einer "alternativen" Öffentlichkeit
In der Schweiz ist es das WEMF, eine Organisation der Werbetreibenden, welche
halbjährlich repräsentative Erhebungen zur Internetnutzung vornimmt.
Die Zahlen sind mehr als beeindruckend.
WEMF-Internetnutzung: Mehr als 51% der schweizerischen Bevölkerung nutzen das
Internet bereits täglich. Hauptsächlich für die elektronische Post (81,5%),
dann für Suchprozesse(63,8%), tagesaktuelle News(42,0%), Abrufen von Artikeln(18%),
Fahrplanauskünfte(15%). Eher am Schluss der Benutzungsmotive stehen Produktekäufe
(E-Commerce), Banking und Gamen.
Aus diesen Zahlen, die für ganz Europa in etwa gleich sind, lassen sich sehr interessante
Schlüsse ableiten:
- Das Internet wird in erster Linie für persönliche Kommunikation
und Information genutzt
- Internetinformationen scheint eine ziemlich ungeteilte Glaubwürdigkeit
zuzukommen
- Das Web wird nicht in erster Linie als Spielwiese und Markplatz, sondern
vor allem als Informationsanbieter akzeptiert.
Allein von diesen Facts ausgehend, bietet sich das Internet als "alternative"
öffentliche Plattform an, ja drängt sich geradezu auf. Was heisst hier "alternativ"?
Es meint nicht eine besonders handgestrickte Art von Öffentlichkeit
in Holzschuhen und Sackröcken, sondern eine gegenüber etablierten
Öffentlichkeiten wie Printmedien, Fernsehen und Radio weitere, erntzunehmende
neue "Säule" möglicher Öffentlichkeit.
Einem weit verbreiteten Irrtum muss jedoch an dieser Stelle sofortn begegnet werden.
NZZ-Online, Spiegel-Online, EBund, Regibern etc.etc., die Onlineausgaben
renommierter Magazine, gehören nicht zu dieser "alternativen" Öffentlichkeit,
obwohl sie eine teilweise bedeutende Informationsfunktion erfüllen. Diese Magazine sind
"etablierte Öffentlichkeit" im klassischen Sinn des Wortes.
Ausser etwa einem Diskussionsforum oder einer Leserecke, wo eingesandte Meinungen
auch wirklich erscheinen, sind sie genaue Abbilder ihrer Mutterorgane, also
redaktionell und werbemässig "geleitet" und definiert. So nützlich und gut sie als
Komplement zum jeweils gedruckten, gesprochenen oder visualisierten Mutterorgan
sein mögen, erfüllen Sie die Funktion einer alternativen Öffentlichkeit nicht.
Alternativ meint hier die Schaffung einer Öffentlichkeit, welche sich in erster
Linie die interaktive Grundstruktur des Web zunutze macht. Eine Öffentlichkeit,
die aus den Meinungen, Gegenmeinungen, Fakten und Gegenfakten der Menschen besteht,
die daran teilnehmen. Also eine Sammlung wirr ausgebreiteter "BenutzerInnen-Meinungen",
zufällige Wutausbrüche, Stammtischgeschwätz, welches vielleicht besser nur im
privaten Kreis vertratscht würde, als auf einem öffentlichen Medium. Das ist durchaus
eine Gefahr, der mit folgendem Beispiel begegnet werden soll: Wikipedia.
Wikipedia ist
ein offenes Content-Management System, ein Online-Lexikon, an dem alle Interessierten
mitschreiben. Das fantastische daran ist, dass sich auf diesem Weg ein Ergebnis
erzielen lässt, dass mit einem Bertelsmann-Lexikon oder einer Encyclopedia Britannica
durchaus konkurrieren kann. Ganz ohne Admininistration geht das auch hier jedoch nicht.
Wichtig ist aber, dass veränderte Artikel in ihrer früheren Form erhalten bleiben
und jederzeit einsehbar sind.
Sowenig es also darum gehen kann, ein - wie Beispiele zeigen - neues Magazin auf dem
Online-Weg zu kreieren, welches den Marktgesetzen aller (also auch der Printmagazine)
unterliegt und ohne gigantischen redaktionellen Aufwand keine Chance hat,
sich zu etablieren, sowenig soll ein neues Diskussionsforum oder langweiliges
Gästebuch geschaffen werden, von denen es im WWW tausende gibt.
Ziel wäre vielmehr, eine öffentliche Plattform zu schaffen, auf der letztlich qualifizierte
Beiträge, teilweise oder ganz unterdrückte Fakten von jenen Personen beigebracht werden,
welche sie haben. Nehmen wir ein Beispiel: Im Kanton Bern publiziert die Regierung
zuerst die Sonderprüfung der Finanzkontrolle zur Lehrerversicherungskasse,
später einen "Bericht Weber". Aber in beiden Berichten deckte die Regierung
die betroffenen Firmen und Personen mit schwarzen Balken ab. Gleichzeitig
stehen in der BZ die Klarnahmen. Auf dem Web könnte also der ganze,
unzensierte Bericht erscheinen - oder nicht?
Wie wir alle wissen, leben wir nicht in einer unbefleckten Medienlandschaft.
Wir haben Monopolorgane und "Second-Hand"-Organe, welche die Brosamen der
Monopole aufpicken dürfen. Alle wissen auch um die Gefahren von
Monopolmedien: Problem Nummer eins ist die Meinungsvielfalt. Gerade hier könnte
allenfalls eine kritische (neue) Öffentlichkeit eine zentrale Rolle spielen.
Reagierend auf, aber auch innovativ zum Voraus, wäre das Informationsspektrum der
alternativen Öffentlichkeit zu lokalisieren. Parteiisch, manchmal nicht objektiv,
wütend vielleicht auch, aber - dank der offenen Möglichkeit zur Antwort -
eben auch korrekturfähig.
Andreas Lutz
Mattedesign